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Politik

Superwahljahr 2009: Hautnah dabei mit “wahl.de”!


Politik 2.0
ist spätestens seit der Obamamanie, in aller Munde. Auch in Deutschland rüsten sich unterschiedliche Netzpersönlichkeiten für den Wahlkampf im Internet. Da entstehen Gruppen bei XING, wie z.B. "DemokratieZweiNull", die nach Angaben von Moderator Bernhard Jodeleit nach ihrer Gründung am 21.02.09, schon heut mehr als 100 Mitglieder aufweist. Aber auch die Mikroblogger schlafen nicht. Der Twitterchannel "Wahlkampf 2009", möchte seine Follower rund um die Uhr über die besten Dinge des Bundestagswahlkampfs 2009 informieren. Es lässt sich unschwer erkennen, das sich das Thema zunehmender Beliebtheit bei der deutschen Userschaft erfreut. Und wenn im Augenblick nur bei den Early-Adopters oder Heavy-Usern. Es ist immerhin ein Anfang! Vor kurzem bin ich durch einen Tweet auf die Plattform "Wahl.de" aufmerksam geworden und fand das Projekt so spannend, dass ich die Gelegenheit für ein kurzes Interview nutzte. Klas Roggenkamp, Mitinitatior der Plattform, stand mir auskunftsfreudig und ausführlich Rede und Antwort.Zur Person: Klas Roggenkamp ist Mitgründer der Berliner Online-Agentur compuccino, die u.a. das neue Gesicht der Berliner Morgenpost und der Stadt Hamburg entwickeln durfte. Roggenkamp hat in Berlin Politik und Electronic Business studiert und arbeitet seit mehreren Jahren v.a. konzeptionell und im Umfeld von technisch vermittelter politischer Kommunikation. Schon vor der Gründung von compuccino hat er u.a. 2001 das Konzept für die Online-Wahlhilfe Wahl-O-Mat entwickelt und in den folgenden Jahren (und Wahlkämpfen) an verschiedenen Stellen politische Kampagnen und begleitende Online-Maßnahmen entwickelt oder koordiniert. Mit seinem Agenturpartner Nader Cserny hat er die Plattform wahl.de erdacht und aufgebaut.1. Wie sind Sie auf „wahl.de“ gekommen und wer steckt dahinter?Die Idee zu wahl.de ist im letzten Jahr entstanden, natürlich auch angeregt durch die verschiedensten Begleitformate zur US-Wahl. Das Team der Agentur compuccino in Berlin, das den gesamten Auftritt von wahl.de finanziert und umsetzt, hat im Rahmen verschiedener Kundenprojekte einen Platz für das Angebot gesehen, was nun auf wahl.de umgesetzt wurde. Im Wahljahr 2005 haben Einzelpersonen unseres Teams bereits mit dem Domain-Inhaber, der mokono GmbH, eine Plattform zur Bundestagswahl aufgebaut. Damals ging es vor allem um Politikerblogs, heute ist das Feld auf das gesamte Spektrum des Social Web ausgeweitet. Für compuccino ist die spannende Aufgabe dabei, einen Überblick in die komplexe Datenmenge zu bringen. Wir wollen allgemeine Entwicklungen deutlich machen und gleichzeitig für den Nutzer relevante Informationen filtern und in den Vordergrund stellen.2. Was erwartet den Nutzer bei „wahl.de“? Das Ziel von wahl.de ist, Aktivitäten dort aufzuzeigen, wo sie geschehen – auch die Unterschiede und v.a. die Lücken in der Online-Strategie einer Partei oder eines Kandidaten werden sichtbar. Bereits die erste Version zeigt deutlich, wer im Social Web heute die Nase vorn hat (Grüne), wer auf Facebook am aktivsten ist (SPD), wer YouTube erfolgreich nutzt (FDP), und wo die Online-Strategie "eigene Community geht vor" (CDU) oder "Homepage reicht" (Linke).Aufhänger ist nach wie vor die Kandidaten-Übersicht, d.h. wir listen (nach und nach) alle Kandidaten zur Europa- und Bundestagswahl mit ihren Listenplatzierungen und Wahlkreisen. Dazu kommen alle aktiven MdBs und die deutschen MdEPs. Im Zuge der Übersichtlichkeit beschränken wir uns auf „die großen fünf“, d.h. auf alle derzeit im Bundestag vertretenen Parteien.Diese „rohen“ Politikerdaten ergänzen wir durch Profildaten auf verschiedenen Community-Plattformen wie Facebook und YouTube, aber auch twitter und last.fm. Hier können wir die Resonanz und die Aktivität der Politiker messen und auswerten. Im Ergebnis haben wir zweierlei: eine Übersicht über alle Kandidaten zur Wahl, und einen Vergleich der Aktivität der Politiker im Social Web. 3. Wie funktioniert das „wahl.de“-Prinzip?Jeden Tag werden die Profil-Aktivitäten automatisch gemessen, wodurch wir eine Auswertung in „Big Mover“ und „Big Shaker“ und verschiedene weitere Übersichten erhalten.Der „Big Mover“ ist jeweils das Profil auf einer Plattform, das in den letzten 7 Tagen den höchsten Zuwachs an Followern, Freunden, Fans, Abonnenten – eben Unterstützern gewinnen konnte.Der „Big Shaker“ ist das Gegenstück dazu: hier geht es um die Aktivität des Politikers bzw. der Partei selbst. Hier messen wir die Botschaften, die über einen Kanal geschickt werden: tweets, Videos, Profilmeldungen. Die höchste relative Steigerung in den letzten 7 Tagen ergibt den Big Shaker. In der aktuell laufenden ersten Welle ist das unsere Hauptauswertung, die auch für zahlreichen Diskussionssstoff gesorgt hat und auch sorgen sollte. In den nächsten Ausbaustufen wollen wir auch inhaltlich aggregieren und auswerten. Natürlich arbeiten wir auch daran, die tatsächliche Resonanz auf eine z.B. über twitter verschickte Kurzmeldung sinnvoll messen zu können. Aber erstmal arbeiten wir an der vollständigen Liste der Kandidaten – hier haben wir momentan knapp ein Drittel der notwendigen Daten gesammelt.4. Inwiefern soll der Bürger mit einbezogen werden?Das ist eine gute Frage, die wir uns etwas anders stellen: inwiefern kann der Bürger mit einbezogen werden?Jeder, der sich etwas länger mit Politik im Netz befasst ist schon relativ desillusioniert, was da überhaupt möglich ist. Es gibt etablierte Angebote wie kandidatenwatch, die sich selbst zur Frage-Antwort-Plattform gemacht haben. Eine gute Idee, die aber leider in der Realität von dünner Resonanz und Akzeptanz (durch die Bürger!) gehemmt wird. Wir spielen die Frage nach der Bürgereinbindung weiter an die aktiven Politiker. Wer sich auf youtube Videos präsentiert oder auf Facebook Unterstützung einfordert, der kann und sollte den „mitgelieferten“ Rückkanal nutzen, den Bürger einbinden und auf ihn direkt reagieren.5. Welche Vorteile bieten Sie Ihren Nutzern?Wir bringen Transparenz und vor allem Vergleichbarkeit in die Online-Aktivitäten von Parteien und Politikern. Durch unsere regelmäßig weiter ausgebauten Auswertungstools können wir schon jetzt gut zeigen, wo z.B. Facebook einfach als Plakatfläche genutzt wird, und wo ein Kandidat tatsächlich über twitter den Austausch sucht. Und wir können das ins Verhältnis setzen zu Mitbewerbern bis
auf Wahlkreisebene.Das ist natürlich vor allem für Wahlkampfmacher interessant, aber auch ohne die Auswertungen bieten wir die umfangreichste Übersicht über Politiker und ihre Online-Aktivitäten. Jeder interessierte Bürger kann sich ein besseres Bild von seinem Kandidaten machen, wenn er dessen Fotos auf Facebook oder die zuletzt gehörten Tracks auf last.fm nachschaut. Im Zweifel findet er auch einfach nur die Kontaktdaten zu twitter – denn diese Kanäle offen zu verlinken schafft bei weitem nicht jeder Politiker. Natürlich setzen wir ein gewisses Grundinteresse an Politik und an den Kandidaten voraus, aber wir haben auch keinen politischen Bildungsauftrag wie eine Bundeszentrale für politische Bildung. 6. Gibt es Kooperationen mit Parteien/Politikern?Schon im Vorfeld haben wir versucht, mit allen relevanten Stellen in den Parteien Kontakt aufzunehmen. Das ging mal besser, mal schlechter. Keiner unserer Ansprechpartner hatte einen Überblick, wer genau eigentlich wo aktiv ist. Insofern haben wir viel selbst recherchiert und uns mit einzelnen Blogs und Seiten zum Thema abgestimmt und Daten ausgetauscht. Seit dem Start der Version 1 in der vergangenen Woche können wir uns über mangelnden „Input“ gerade auch von Parteien nicht beklagen. Von allen Seiten und auf allen Ebenen werden wir geradezu zugeschüttet mit Daten, Verweisen und vor allem: Links zu Profilen. Wir freuen uns über jede aktive Mithilfe, wobei wir natürlich alle persönlich politisch interessiert sind, aber unsere professionelle Arbeit bleibt überparteilich. 7. Hat die Seite noch weitere Social Media Ableger? An vielen Stellen wo wir messen sind wir auch als Nutzer vertreten. Wir sind aktiv auf twitter, wo wir viel wertvolles Feedback einsammeln konnten. Auf Facebook haben wir eine Recherche-Gruppe und eine Fan-Page. Ebenso auf MySpace. Da wir momentan keinen redaktionellen Content produzieren sind die anderen Plattformen für uns nur privat spannend. An einigen Stellen werden wir unsere Arbeit aber ausbauen. 8. Welche Chancen und Risiken sehen Sie bei Politik im Netz?Eine Frage, die uns in den letzten Tagen immer wieder gestellt wurde ist, ob wir nun wollen, dass Politiker den ganzen Tag twittern und YouTube-Videos hochladen und das dann auf Facebook gebündelt verteilen. Das wäre genau das falsche, es ist auch ein falsches Verständnis von „Politik im Netz“. So wie wir das verstehen – und mit unserem Angebot vermitteln wollen, gibt es Politik, und diese wird u.a. im Netz aufbereitet. Was das Internet und gerade die Social Media Plattformen, die wir betrachten, möglich machen ist eine klar fokussierte Kommunikation auf Kanälen, die von sowieso dort aktiven Usern aufgenommen werden kann. Es gibt zwei große Entscheidungen, die man als Politiker im Netz treffen muss: wie erreichbar bin ich, und wie privat bin ich – das klassische Dilemma aus Distanz und Nähe. Gerade aktive Abgeordnete können nicht den ganzen Tag und über jedes Erlebnis twittern, noch weniger können sie dauerhaft auf alles Antworten, was auf sie niederprasselt. Hier ist es besonders wichtig, die Erwaltungshaltung an die Präsenz auf einer bestimmten Plattform zu verstehen. Bei Facebook kann man das sehr gut sehen: wer dort als User auftritt, der suggeriert Erreichbarkeit und einen gewissen Zugang ins Private. Manche Parteien haben das verstanden und bauen sich ein eigenes kleines Re(d)aktions-Team auf, das z.B. Freundschaftsanfragen und Nachrichten beantwortet. Andere haben das auch verstanden, und verschieben Profile zu Politikerseiten, einer Unterform der „Pages“. Die Pages sind sozusagen die Infostände und Plakatwände im Netz, denn hier wird zentral kommuniziert, mehr als das diskutiert werden kann. Der Auftritt ist mono-thematisch auf die Kandidatur bzw. das aktuelle Amt ausgerichtet, und verlängert mehr die agenturgepflegte Website. Die dritte Form auf Facebook, die Gruppen, sind vom Prinzip her genau dazwischen – interaktiv, aber nicht persönlich und auch meist nicht personengetrieben.Die große Chance besteht aus unserer Sicht, und da sind wir sicher nicht die Ersten die das so sehen, dass über twitter, flickr usw. ein Gefühl von Dabei-Sein erzeugt werden kann, was sich positiv auf die Gesamtstimmung und –wahrnehmung der Aktiven auswirkt. Das Risiko kommt aber gleich hinterher, nämlich die Enttäuschung, wenn man auf einen quasi ausgetrockneten Kanal trifft. Ein flickr-Account, das seit 2 Jahren keine neuen Bilder hat ist genauso frustrierend wie eine Homepage, auf der noch immer unter „Aktuell“ für das gewonnene Direktmandat von 2005 gedankt wird. Es ist wichtig, die Kanäle zu verstehen, aber das geschieht langsam – birgt aber noch ungemein spannende Strategie-Auslegungen in sich.9. Wie wird Politik in Zukunft gemacht – Stichwort: Obama 2.0?Naja, der Vergleich hinkt ja an verschiedenen Ecken – allein das Wahlsystem hierzulande erlaubt ja nur wenigen, eine Merkel oder einen Steinmeier direkt zu wählen. Insofern bleibt der Wahlkampf hier beim top-down Image-Wahlkampf und beim bottom-up Wahlkampf von Haustür zu Haustür, wo vielleicht auch die Krawattenfarbe entscheidend ist.Außerdem ist das verfügbare Budget von einer „normalen“ deutschen Partei nicht im Ansatz so üppig wie das geschaltete Media-Budget von Obama in einem Monat. Trotzdem, ein paar Dinge werden ja schon jetzt abgeguckt. Womit wir rechnen müssen ist die noch stärker dezentral stattfindende Vermittlung der zentral ausgegebenen Botschaften. Viele Maßnahmen werden interaktiver wirken, aber es nicht unbedingt sein – denn die Herausforderung ist immer noch, eine zentrale Botschaft über die Republik zu verteilen, und diese nuanciert nach Zielgruppe auszuliefern. Insofern tut sich da wenig Neues, es wird vor allem technisierter, und zumindest online noch professioneller und zielgerichteter. Am Wahltag wird aber jeder – und das ist neu – das Gefühl haben, seinem Kandidaten etwas nahe gewesen zu sein. Das wird sich vor allem durch das Internet und die Präsenz auf zahlreichen Plattformen ergeben – und hoffentlich auch funktionieren.

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Ein jeder Early Adopter ist mittlerweile über die unterschiedlichsten Kanäle erreichbar. Dazu zählen Instant Messengerdienste wie Skype, die Mail-Systeme der Communities Facebook, Xing & Co. oder aber über den schrillen Mikrobloging-Dienst Twitter. Bei Letzterem, freute ich mich kürzlich über einen neuen Follower (auf neudeutsch: Leser) der eine bekannte deutsche Partei vertritt – nämlich keine geringere als Bündnis 90/ Die Grünen. Ich zögerte in dem Fall nicht, zum analogen Telefonhörer zu greifen und mit Robert Heinrich, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit und zuständig für Social Media Aktivitäten bei den Grünen, einen Interviewtermin für den nächsten Social Media Webcast zu vereinbaren. Gesagt getan. In der Bundesgeschäftsstelle in Berlin-Mitte, verriet er uns einiges über digitale Parteifeldzüge, Erfolgserlebnisse und Trends in Politik 2.0. Wer hier nicht hinsieht, ist selber schuld!

Link: sevenload.com

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